Infektiologie Vortrag 2016

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Prof. Dr. med. Rüdiger W. Braun   
Labor Enders & Partner, Stuttgart/Esslingen
Zentrallabor Klinikum Esslingen
Hirschlandstr. 97; 73730 Esslingen
Tel.: 0711 3103-3250
Fax: 0711 3103-3344
 
 
 

In dem Update ging es um das Thema „Emerging and Reemerging Infectious Diseases“.

Masern

Obwohl die Zahl der Masernerkrankungen aufgrund vermehrter und verbesserter Impfungen drastisch zurückgegangen ist, haben wir immer noch geschätzte 2 Mio. Masernfälle weltweit; in Deutschland wurden im Jahr 2015 über 1000 Fälle gemeldet, wobei die Hauptursachen für die immer noch zu hohe Inzidenz in Impfverweigerungen und vermehrten Infektionsraten bei Migranten und Asylsuchenden liegen. Die Impfverweigerungshaltung vieler Eltern ist v.a. aufgrund möglicher Folgeerkrankungen verhängnisvoll: Masern führen zu einer 2–3 Jahre anhaltenden Immunsuppression; nicht geimpfte masernerkrankte Kinder haben noch jahrelang ein erhöhtes Risiko, an weiteren Infektionen zu erkranken und zu sterben.
Ferner kann 4–10 Jahre nach einer Masernwildinfektion eine fast immer tödlich verlaufende subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) auftreten (Häufigkeit: 1:1000). Ärzte sollten daher nicht nur bei der deutschen Bevölkerung, sondern v.a. auch bei Migranten, die deutliche Impflücken aufweisen, für eine konsequente Masernimpfung plädieren.

Dengue-Virus

Die Erstinfektion mit dem durch die Tigermücke (Aedes aegypti) übertragenen Flavivrus verläuft i.d.R. relativ harmlos; doch bei Zweitinfektion mit einem anderem Serotyp erhöht sich die Gefahr eines hämorrhagischen Dengue-Fiebers (DHF) oder eines Dengue-Schock-Syndroms (DSS) mit hoher Letalität. Die Häufigkeit des Dengue-Fiebers ist stark angestiegen; mittlerweile haben wir weltweit 390 Mio. Erkrankungsfälle pro Jahr. Das Virus breitet sich insbesondere in beliebten Urlaubsregionen (Thailand, Indien) aus, und aufgrund der klimatischen Veränderung sind in den letzten Jahren auch bereits autochthone Fälle in Europa (Kroatien, Südfrankreich, Madeira) aufgetreten. Seit Herbst 2015 gibt es einen ersten, in Brasilien und Mexiko bereits zugelassenen Dengue-Virus-Impfstoff (Denguevaxia von Sanofi-Pasteur; wirksam gegen alle 4 Serotypen; 3 Impfungen nötig); die Zulassung in Europa wird für das 1. Halbjahr 2016 erwartet. Bei Menschen, die bereits eine Dengue-Virusinfektion durchgemacht haben und Reisen in entsprechende Länder planen, sollte eine Dengue-Impfung erwogen werden. (Der Impfstoff kann, solange bei uns nicht zugelassen, über internationale Apotheken angefordert werden).

Zika-Virus

Seit 2014 gibt es erste eingeschleppte Fälle in Deutschland. Die Infektion selbst verläuft relativ gutartig (ähnlich wie ein grippaler Infekt); allerdings besteht die Gefahr von Mikrozephalien, wenn das Virus von schwangeren Frauen auf das ungeborene Kind übertragen wird. Da derzeit keine Prophylaxe und kein Gegenmittel existiert, sollte werdenden Müttern von Reisen nach Südamerika und Ozeanien abgeraten werden.

Clostridum difficile

Trotz zunächst gutem Ansprechen auf die Therapie kommt es häufig zu Reinfektionen. Da die Clostridium-Sporen gegenüber alkoholischen Desinfektionsmitteln resistent sind, sollten Patienten Zahnbürste, Handtücher und sonstige Wasch- und Körperpflegeutensilien austauschen, sofern keine Kochwäsche möglich ist. Wichtig ist außerdem die Verwendung einer keimdichten Untermatratze. Die Therapie erfolgt (je nachdem, ob es sich um die 1., 2. oder 3. Krankheitsepisode handelt) mit Metronidazol plus Fidaxomicin, Vancomycin.

Tuberkulose

Die über Jahre hinweg stetig rückläufigen Zahlen von TB-Fällen in Deutschland steigen derzeit leider wieder an. Die Inzidenz liegt bei 2,5 pro 100.000 in der deutschstämmigen Bevölkerung und 33,6 pro 100.000 bei Menschen mit Migrationshintergrund; gerade bei solchen Patienten sollte bei entsprechender Symptomatik also an die Möglichkeit einer TB gedacht werden. Nur 75% der tuberkulösen Infektionen betreffen die Lunge, 25% andere Lokalisationen (z.B. viszeral oder urogenital). Bei 3% der Bakterienstämme liegt eine MDR-Resistenz vor; bei diesen können die Infektionen sehr dramatisch, teilweise auch tödlich verlaufen. Übertragen wird das Bakterium vorwiegend über Tröpfcheninfektion, wobei bereits 30 Keime ausreichen, um eine Infektion zu etablieren! Behandelnde Ärzte sollten daher Mundschutz und Handschuhe nutzen, auch auf die Gesundheit ihres Personals achten und die Patienten nach Möglichkeit nicht morgens ins volle Wartezimmer bestellen. Nur in 10% aller Fälle kommt es nach Infektion zu einer klinischen Manifestation. Bei 90% bildet sich ein tuberkulöses Granulom; bei Immunsuppression; Stress etc. kann die Erkrankung jedoch auch bei diesen Patienten ausbrechen. In der Diagnostik ist der Elispot-/y-Ferontest zuverlässiger als der Mendel-Mantoux-Test; die Behandlung erfolgt mit einer 4-fach-Kombination, für die es verschiedene Therapieschemata gibt.

Leishmaniose

Auch die Leishmaniose verbreitet sich zunehmend in Europa: In Südeuropa sind bis zu 100% der Sandfliegen, die den Parasiten übertragen, leishmanieninfiziert; auch autochthone Fälle in Deutschland kommen vor. Daher ist es wichtig, diese Infektion zu erkennen und adäquat zu behandeln. Die 3 Erkrankungsformen (viszerale, kutane und mukokutane Leishmaniose) unterscheiden sich in ihrem geografischen Verbreitungsgebiet und in Symptomatik, klinischem Verlauf und Therapie. Seit 2014 gibt es eine neue Substanz (Miltefosin) für die Behandlung der kutanen Leishmaniose. Bei der viszeralen Leishmaniose muss liposomales Amphotericin B in relativ hohen Dosen über längere Zeit gegeben werden.

Listeriose

Die Listeriose geht nach wie vor mit einer hohen Letalität einher, auch deshalb, weil diese Infektionserkrankung häufig nicht erkannt wird. Besonders gefährdet sind immunsupprimierte Patienten und Schwangere, bei denen der Erreger häufig zu Früh- oder Totgeburten führt. Die Therapie erfolgt mit Aminopenicillinen.