Schlafmedizin Vortrag 2016

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Dr. med. Joachim T. Maurer
Stellvertretender Klinikdirektor und Leiter
des schlafmedizinischen Zentrums
Universitäts-HNO-Klinik Mannheim
Theodor-Kutzer-Ufer 1–3, 68167 Mannheim

 

 

 

 

Diagnostische Aspekte

Laut internationaler Klassifikation der Schlafstörungen ISCD-3 (im Jahr 2014 aktualisiert) ist die Diagnosestellung einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) bei positivem Befund jetzt mittels ambulanter Polygrafie möglich, da das Ausmaß der Atmungsstörung in der Polygrafie typischerweise unterschätzt wird. (Die Anzahl der Ereignisse pro Stunde Aufzeichnungszeit ist i.d.R. geringer als pro Stunde Schlaf.)
Bezüglich der Diagnosestellung der OSA gilt ferner, dass eine OSA dann vorliegt, wenn 15 oder mehr respiratorische Ereignisse pro Stunde Schlaf bzw. Aufzeichnungszeit vorliegen. Als alternatives diagnostisches Kriterium wird das Vorliegen von ≥ 5 respiratorischen Ereignissen pro Stunde genannt, wenn relevante klinische Symptome (Schläfrigkeit, unerholsamer Schlaf, Insomniesymptome, Erwachen mit Atemnot, vom Bettpartner bemerktes Schnarchen oder Atempausen etc.) oder – und das ist neu – typische Begleiterkrankungen (arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz etc.) vorhanden sind.

Rückenlagevermeidung bei OSA

Rückenlageverhinderungswesten („Schnarchrucksäcke“) sind bei rückenlagebezogener Schlafapnoe vergleichbar wirksam wie eine Therapie mit kontinuierlicher positiver Überdruckbeatmung (CPAP). Das Problem hierbei ist allerdings, dass solche Westen ziemlich unbequem sind, was sich negativ auf die Compliance auswirkt. Relativ neu auf dem Markt sind Schlafpositionstrainer, welche die Rückenlage mittels Lagesensoren ermitteln und dann einen Vibrationsalarm abgeben. So wird dem Patienten die Schlafposition in Rückenlage „abtrainiert“ – und das bei guter Compliance. Mittlerweile gibt es zwei preisgünstige und nach vorläufigen Ergebnissen einer ersten Studie dem ersten Anschein nach wirksame Smartphone-Apps, die zu vibrieren beginnen, sobald der Patient auf dem Rücken liegt. Die Smartphones mit den Apps „SomnoPose“ (https://itunes.apple.com/de/app/somnopose-sleep-position-monitor/id40823...) oder „Apnea sleep position trainer“ (http://www.androidliste.de/item/android-apps/438579/apnea-sleep-position...) werden mit einem Gurt auf der Brust befestigt und weder vom Patienten noch vom Bettpartner als störend empfunden. Ärzte sollten ihre Patienten auf diese einfache und preisgünstige Möglichkeit eines Schlafpositionstrainings hinweisen.

Chirurgische und funktionelle Therapie der OSA

Aufgrund von Compliance-Problemen wird durch die konservative Therapie mit nCPAP häufig keine Beseitigung der respiratorischen Ereignisse erreicht. (Untersuchungen zufolge liegt der Apnoe-Hypopnoe-Index [AHI] auch im „idealen“ Patientenkollektiv über 10, wenn man die Zeiten der Nichtbenutzung einrechnet.) Bei Patienten mit schlechter Compliance oder CPAP-Unverträglichkeit können chirurgische Eingriffe eine gute Therapieoption sein. Diese setzen entweder bei der Anatomie an oder stellen die Funktion der gestörten Atemwegssteuerung im Schlaf wieder her.
Verbesserung der Anatomie: Bei Patienten mit vergrößertem Gaumensegel und -zäpfchen und Tonsillenhypertrophie kann eine Uvulo-Palato-Pharyngoplastik (UPPP) sinnvoll sein. Bei diesem Eingriff wird nach operativer Entfernung der Gaumenmandel die Schleimhaut vom weichen Gaumen des Gaumensegels gestrafft und somit das Lumen der oberen Atemwege vergrößert. Ein verlängertes Gaumenzäpfchen wird muskelschonend gekürzt.
Verbesserung der Funktion: Ferner gibt es seit einiger Zeit die Möglichkeit, OSA-Patienten einen Zungenschrittmacher zu implantieren, der die atemwegsöffnende Muskulatur stimuliert. Damit lassen sich bei hierfür geeigneten Patienten sehr gute Ergebnisse erzielen, und dies bei günstigem Sicherheits- und Nebenwirkungsprofil. Hierfür stehen derzeit 2 CE-zertifizierte Behandlungsmethoden zur Verfügung: eine atmungsgesteuerte Stimulation der oberen Atemwege von der Firma Inspire Medical Systems und eine atmungsunabhängige Stimulation von der Firma ImTheraMedical.