Sport, Doping und Herz Vortrag 2016

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Priv. Doz. Dr. med. Roman Laszlo
Stellvertretender Ärztlicher Leiter Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin
Universitätsklinikum Ulm
Leimgrubenweg 14, 89075 Ulm
Tel.: 0731 50045350
Fax: 0731 50045303

 

 

Körperliche Aktivität

Regelmäßige körperliche Aktivität senkt die kardiovaskuläre Mortalität um 27 bis 35% – ein Effekt, von dem Senioren über 65 Jahren besonders stark profitieren. Auch in der Sekundärprävention ist körperliche Aktivität wichtig; sie gilt als wesentliche Maßnahme zur Risikominderung bei koronarer Herzkrankheit. „Laufen, ohne zu schnaufen“ lautet die Empfehlung für die Trainingsintensität. Besonders empfehlenswert sind Ausdauersportarten wie Spazierengehen, Walking (5 km/h), Radfahren oder Laufen (10 km/h). Für die Alltagsbewältigung spielt neben einer guten Ausdauerleistungsfähigkeit auch die muskuläre Kraft eine bedeutsame Rolle, weswegen Krafttraining eine immer größere Rolle in der Sporttherapie von Herzpatienten (insbesondere bei Herzinsuffizienz) spielt. Aber: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung! Dies gilt auch für den Sport: Bei körperlicher Aktivität erhöhen sich im Vergleich zur Ruhe aufgrund des erhöhten Sauerstoffbedarfs des Herzens das relative Risiko für einen plötzlichen Herztod und die Infarktrate deutlich. Daher sollte ein Sportkardiologe Trainingsintensität und Risiko individuell mit dem Patienten besprechen. Durch eine vorherige sportkardiologische Untersuchung und Beratung würden sich kardiovaskuläre Komplikationen, z.B. bei Marathonläufen, häufig vermeiden lassen.

Sportherz

Bei Überschreitung einer patientenindividuellen Trainingsgrenze kann es neben funktionellen Anpassungen auch zu morphologischen Adaptationen – dem sogenannten Sportherzen – kommen. Diese Grenze wird meist nur unter leistungssportlichen Bedingungen, manchmal aber auch bei extremen Hobbysportlern erreicht.
Definition eines Sportherzens:

Der Durchmesser des linken Ventrikels (LV) ist erhöht.
Die Kammerwanddicke ist normal bis leicht erhöht.
Die relative Wanddicke liegt unter 43% (bei einem höheren Hypertrophieindex muss an Anabolikamissbrauch oder an eine pathologische Hypertrophie gedacht werden).
Der linke Vorhof kann vergrößert sein.
Die systolische Funktion ist normal oder leicht vermindert; die diastolische Funktion ist (hoch-)normal.

Bei Trainingsabbruch kann es zur Rückbildung der Adaptation kommen, die jedoch häufig inkomplett ist (Wanddicken normal, Herzhöhle vergrößert).

Herz und Doping

Doping bzw. Medikamentenmissbrauch mit dem Ziel der Leistungssteigerung spielt gemessen an der Personenzahl im Breiten- und Freizeitsport wahrscheinlich sogar eine größere Rolle als im Leistungssport. Es wird davon ausgegangen, dass zirka 20% aller Fitnessstudionutzer Erfahrung mit Doping-relevanten Substanzen haben, wobei anabol-androgene Steroide wahrscheinlich am häufigsten eingesetzt werden.
Kardiovaskuläre Nebenwirkungen eines Dopings mit anabol-androgenen Steroiden sind unter anderem:

direkte, wahrscheinlich irreversible kardiale Schädigung mit teils massiver LV-Hypertrophie und damit deutlich erhöhtem kardiovaskulärem Risiko

gestörte diastolische Funktion (u.a. durch myokardiale Fibrosierung)

Lipidprofil verändert sich ungünstig (dosis- und substanzabhängige HDL-Senkung um 39–70%, gleichzeitiger LDL-Anstieg um rd. 20%)

 

Aufgrund von Fallberichten können Anabolika u.a. folgende Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verursachen:

Koronare Herzkrankheit
Bluthochdruck
periphere arterielle Gefäßverschlüsse
Karotisthrombose
Schlaganfall
Ventrikelthrombus
Herzinsuffizienz
QTc-Zeit-Alterationen
Herzrhythmusstörungen
akuter Myokardinfarkt
plötzlicher Herztod

WICHTIG: Aufgrund der relevanten Bedeutung auch im Breiten-und Freizeitsport ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch nicht primär sportmedizinische tätige Ärzte in der täglichen Praxis mit dem Thema Doping konfrontiert werden. Die Verwendung von Medikamenten zur Leistungssteigerung ist gemäß dem Arzneimittelgesetz verboten und muss daher unabdingbar abgelehnt werden. Im Sinne der Dopingprävention ist es in einer solchen Situation weiterhin die ebenfalls unabdingbare Aufgabe des behandelnden Arztes, unmissverständlich über die gesundheitlichen Risiken aufzuklären.